Mit dem Rad nach Schwäbisch Hall

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Ich wohne in Ludwigsburg, und ich weiß auch nicht so genau warum, aber irgendwie ist mir in den Sinn gekommen mit dem Rad nach Schwäbisch Hall zu fahren. Also hab ich erst mal auf meiner ADFC Radkarte nach einem Radweg dorthin gesucht. Geht aber nicht, weil is nicht. Auf der Karte ist Schwäbisch Hall schon gar nicht mehr drauf.

Also hab ich im Internet (z.B. www.openstreetmap.org) nachgeschaut, aber auch da gibts leider nicht viel zu sehen.

Also doch ganz klassisch in den Buchladen um die Ecke und nach einer Karte suchen. Da hab ich dann auch eine gefunden vom „Landesvermessungsamt Baden-Württemberg“. Und siehe da, es gibt fast durchgängig Radwege von Ludwigsburg nach Schwäbisch Hall.

Da ich, eher ein wenig unmotiviert, Mitte Juni zwei Wochen Urlaub hatte wars klar: da Fahr ich los! Dummerweise hat mir aber just an jenem Freitag an dem ich fahren wollte mein Knie weh getan. Also gut, dacht ich mir, wart ich halt noch ein wenig bis mein Knie wieder ok ist. Als das mit meinem Knie aber nicht besser wurde bin ich einfach trotzdem losgefahren (interessanterweise hat es dann danach nicht mehr weh getan).

Also bin ich Mittwoch morgen so gegen 8.30 losgefahren. Erst zum Neckar und dann über Marbach, Steinheim und Rielingshausen nach Backnang. Ich finde das ist die angenehmere Strecke. Über Kirchberg die Murr entlang steht man irgendwann im Wald und muss tierisch den Berg hoch. Die Rielingshausen Strecke ist zwar auch bergig, ich finds aber alles in allem angenehmer zu fahren. Auf jeden Fall ist man dann nach ca. 25km in Backnang. Von Backnang aus ist der Radweg dann sogar bis Sulzbach ausgeschildert und führt ziemlich eben an der Murr entlang. Also kein Problem soweit.

Aber dann fings an. Kurz vor Sulzbach vernahm ich ein merkwürdiges Geräusch von meinem Hinterrad. Ich halte an, halte das Rad hoch, drehe es um zu gucken ob irgendwas schleift. Aber nichts, alles in Ordnung.

Denkste!!! Platt wars. Im Schlauch waren gleich zwei Löcher. Im Mantel hab ich nichts entdeckt. Wie die Löcher da reingekommen sind ist mir völlig schleierhaft. Ist ja aber kein Problem schliesslich hat man immer einen Ersatz Schlauch dabei.

So, dann konnts weitergehen. Also ab nach Sulzbach. Ich glaube die Strasse, von welcher später der Radweg nach Großerlach abzweigt habe ich dann in Sulzbach auch gefunden. Allerdings ist die komplett wegen einer Baustelle gesperrt. Also muss man da ein wenig drumrum fahren. Das ist ganz nett weil man das angrenzende Wohngebiet in Sulzbach so kennenlernt 🙂 Leider hab ich bei der Gelegenheit wohl den Abzweig zum Radweg nach Großerlach verpasst, und die Strecke ist so Steil und so lang, das man da freiwillig nicht mehr umdreht. Aber Umwege erhöhen ja bekanntlich die Ortskenntnis 🙂

Ja da war ich dann in Kleinhöchberg. Laut Karte kann man rechts abbiegen, durch den Wald und dann nach Grosserlach fahren. Das Problem ist nur, da ist wirklich überhaupt nix mehr ausgeschildert! Tja und so irrte ich dann bestimmt eine Stunde im Wald herum und habe versucht mit meinem rudimentären Orientierungssinn wenigstens einigermaßen in die richtige Richtung zu fahren. Irgendwann war ich sogar so weit das ich mir gesagt habe, wenn jetzt ein auf meiner Karte verzeichneter Ort kommt und ich einen Weg nach Sulzbach finde fahr ich wieder zurück! Und dann irgendwann in diesem wirklich völlig Menschenleeren Wald hab ich dann einen älteren Herrn (er war bestimmt mitte 70) getroffen der vorher mit seiner Motorsäge eine breite Schneise in den Wald geschlagen haben muss (vielleicht wars auch ein Sturm, wer weiss?). Den hab ich dann gefragt wo es denn hingeht wenn ich diesen Weg weiterfahre. Leider hab ich von der Antwort kein Wort verstanden 🙁 Naja, man kann nicht alles haben.

Kam dann aber doch alles anders. Als ich endlich wieder aus dem Wald kam, war nicht allzu weit entfernt eine menschliche Ansiedlung. Und siehe da ich war in Altfürstenhütte. Hurraaa, die Zivilisation hatte mich wieder und wusste sogar wieder wo ich war! Altfürstenhütte ist ca. 5km hinter Großerlach. Zwar nicht unbedingt Richtung Schwäbisch Hall aber auf jeden Fall fast näher an Schwäbisch Hall als an Sulzbach. Naja und weil ich ja jetzt schon mal soweit war bin ich dann halt ins Rottal Richtung Schwäbisch Hall gefahren. Und das hat sich dann auch wirklich gelohnt. Da stehen noch die Kühe einfach so auf der Wiese rum, es gibt Ortschaften mit Namen wie „Traubenmühle“, die Strassen sind so schmal das nur ein Auto draufpasst (was aber nix ausmacht weil da eh keine Autos fahren, zumindest hab ich keine gesehen). Ich weiß nicht ob die Kunde von der Erfindung des Automobils schon so weit vorgedrungen ist? Ist einfach sehr idyllisch, total schön

Die letzten 10km vor Schwäbisch Hall hab ich dann leider keinen Radweg mehr gefunden und bin der Straße lang gefahren. Ist prinzipiell auch kein Problem, da die Strassen dort sehr wenig befahren sind. Das Problem sind eher die Haller Autofahrer. Aber ich hab mir sagen lassen das es auch Menschen gibt die Freiwillig auf Mallorca Radfahren. Das ist glaub ich auch nicht schlimmer 🙂 Lohnt sich aber auf jeden Fall, weil wo sonst sieht man weitab jeder Ortschaft eine Tempobegrenzung „70 km“ mit dem Schild „Vorsicht Schulbushaltestelle“?

Mein Rad in Schwäbisch Hall

Ich war dann nach ungefähr 80km ziemlich genau um 14.00 Uhr in Hall. Wenn man die Waldstrecke um Großerlach ein wenig abkürzt kommt man sicher auch mit 70 km aus 🙂

Hier noch ein Link zur Karte

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